Das Rosenkranzgebet – auf Gott und Christus schauen mit den Augen und Worten Marias, der Mutter Gottes

Der Rosenkranz ist ein Gebet, das Fragen aufwirft, auch unter Gläubigen

Besonders im Marienmonat Mai, der traditionell auch dem Rosenkranzgebet gewidmet ist, fragen sich viele Menschen: Was ist überhaupt der Rosenkranz? Was versteht man unter dem Rosenkranzgebet? Und warum genau spielt es im Mai eine so große Rolle? Wer ein bisschen nachliest und recherchiert fragt sich dann sicher auch: Warum ist denn das Rosenkranzgebet so lang? Außerdem sind es doch Perlen, die in einem Rosenkranz aufgereiht sind, keine Rosen. Was hat es denn nun genau mit dem Namen dieser Gebetsschnur auf sich?

All diese Fragen zeigen: Das Rosenkranzgebet ist vielen Menschen, auch gläubigen Katholikinnen und Katholiken, fremd geworden. Gleichzeitig wächst das Interesse am Rosenkranzgebet gerade in Zeiten, die besondere Herausforderungen an uns stellen. Das kann eine Pandemie sein, die unser Leben derzeit durcheinanderwirbelt; das können aber auch persönliche Krisen und Anforderungen sein, denen wir uns stellen müssen und an denen wir wachsen können. Viele Menschen ahnen: Sich mit Maria und mit Hilfe einer seit Jahrhunderten bewährten Anleitung ganz aufs Gebet einzulassen - das könnte eine Wohltat für den eigenen Geist, die eigene Seele werden. Was, wenn wir am Ende wieder erfahren könnten, was das heißt: Das Gebet ist ein Reden des Herzens mit Gott?

Höchste Zeit, sich einzulassen: auf das Rosenkranzgebet, seine Geschichte und seine berührende Gegenwart

Das Wort Rosenkranz leitet sich vom lateinischen „Rosarium – Rosengarten“ her. Im Mittelalter war es nämlich üblich, Maria, die Gottesmutter mit einem Rosen- oder Blütenkranz zu schmücken und sie dadurch besonders zu ehren. Dies galt insbesondere für den Wonnemonat Mai, wo alles Leben wieder neu erwacht, alles reich zu blühen beginnt und so Maria auch als Maienkönigin sinnbildlich verehrt wird.  Später ersetzten gläubige Christinnen und Christen jede Rose durch ein Gebet. Damit sie sich nicht verzählten und alle die gleiche Reihenfolge beibehalten konnten, wird an jedes Gebet durch eine einzelne Perle erinnert, die zu einer Gebetsschnur zusammengefügt ist. Auch wenn seither ein Rosenkranz aus Perlen besteht, blieb der Name Rosenkranz erhalten, als Erinnerung an die einstmals echten Rosen, die das Bildnis Mariens schmückten.

Seine heutige Form erhielt das Rosenkranzgebet Anfang des 15. Jahrhunderts. Damals fasste ein Kartäuser-Mönch, Adalbert von Essen, das Leben Jesu in 15 Schluss-Sätze zusammen. Diese Sätze fügte er dem Ave Maria hinzu. 1508 wurde festgelegt, dass dem Ave Maria noch der Schluss-Satz: „Heilige Mutter Gottes, bitte für uns“ zugefügt wird. Am 17. September 1569 schließlich regelte Papst Pius V. offiziell die Form des Rosenkranzgebetes, die seither gilt.

Wie der Rosenkranz gebetet wird

Der Rosenkranz besteht aus einer Gebetskette – das sind 59 Perlen und ein Kreuz. Diese 59 Perlen sind in fünf Gruppen angeordnet. Jede Gruppe besteht aus 10 kleinen und einer größeren Perle. Am Rosenkranz selbst befindet sich eine frei herabhängende Kette, die mit einem Kreuz versehen ist, sowie mit drei kleinen Perlen, die wiederum von zwei großen Perlen eingerahmt sind. Sowohl die Anordnung als auch die Zahl der Perlen sollen dabei helfen, die Reihenfolge der Gebete einzuhalten.

Wie sieht diese Reihenfolge aus?

Betrachten wir zunächst den Teil des Rosenkranzes, der für die Eröffnung der Gebete steht; also die frei herabhängende Kette. Zunächst erinnert uns das Kreuz daran, dass Christus als Zeichen seiner Liebe für uns am Kreuz gestorben ist. Wir sprechen zu Beginn die Worte:

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes
Amen.

Danach berühren wir die erste große Perle, machen das Kreuzzeichen und beginnen mit dem Glaubensbekenntnis:


Ich glaube an Gott den Vater,
den Allmächtigen, den Schöpfer
des Himmels und der Erde,
und an Jesus Christus, Seinen
eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden
von den Toten, aufgefahren in den Himmel;
Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen
Vaters; von dort wird Er kommen,
zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige katholische Kirche,
die Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten
und das ewige Leben
Amen.  

Es folgt das „Ehre sei dem Vater“

Ehre sei dem Vater
und dem Sohn
und dem Heiligen Geist
wie im Anfang so auch jetzt und allezeit
und in Ewigkeit
Amen.

Jetzt beten wir das Gebet, das Christus selbst uns beten gelehrt hat, und das seither alle Christen weltweit beten, das „Vaterunser“

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft
Und die Herrlichkeit in Ewigkeit

Amen.

Mit den drei folgenden kleinen Perlen wird jeweils ein „Ave Maria“ gebetet, das sich unterscheidet durch die Zeile, die nach „Jesus“ eingefügt wird. Wir beten sie mit den gleichen Worten, die auch der Engel sprach, als er Maria den Gruß entbot und seine Botschaft überbrachte:

Gegrüßet seist du Maria, voll der Gnade,
der Herr ist mit dir,
du bist gebenedeit unter den Frauen,
und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes Jesus,
der in uns den Glauben vermehre.
Heilige Maria, Mutter Gottes,
bitte für uns Sünder
jetzt und in der Stunde unseres Todes


Gegrüßet seist du Maria ...
… der in uns die Hoffnung stärke
Heilige Maria …


Gegrüßet seist du Maria …
… der in uns die Liebe entzünde
Heilige Maria …

Mit der nächsten, großen Perle beten wir wieder das „Ehre sei dem Vater“ – und sind jetzt am Ende der Eröffnungsgebete angelangt.

Unsere Hände berühren nun die erste, einzelne Perle der gegliederten Rosenkranzkette. Mit ihr wird das „Vater unser“ gebetet. Jetzt bilden jeweils 10 eng aneinandergeknüpfte Perlen ein Gesätz. Jede einzelne Perle steht für ein „Gegrüßet seist du, Maria“.


Was ist ein Gesätz?

Das für uns heute sicherlich sehr altmodisch klingende, fremd gewordene Wort Gesätz leitet sich tatsächlich von „Satz“ her. Denn in jedem, durch 10 Perlen gegliederten, Abschnitt sprechen wir wichtige Geschehnisse – Sätze – aus dem Leben Jesu an. Wir betrachten seine Geburt, sein Leben und Sterben und seine Auferstehung. Wir beten und betrachten dieses Leben Jesu und seiner Mutter Maria auf den Spuren der fünf Geheimisse.


Die Geheimnisse des Rosenkranzgebetes

Bei den Geheimnissen des Rosenkranzes handelt es sich um die

  • Freudenreichen Geheimnisse (über die Geburt und Kindheit Jesu)
  • Lichtreichen Geheimnisse (über das öffentliche Wirken Jesu)
  • Schmerzhaften Geheimnisse (über das Leiden und Sterben Jesu)
  • Glorreichen Geheimnisse (über die Auferstehung und Himmelfahrt Jesu)


Wie viele Geheimnisse werden bei einem Rosenkranzgebet betrachtet?

Ein vollständiges Rosenkranzgebet enthält stets nur die Betrachtung eines der vier Geheimnisse. Jedes dieser vier Geheimnisse birgt 5 Glaubenswahrheiten.

Begonnen wird es mit den vertrauten Worten des Ave Maria

Gegrüßet seist du Maria, voll der Gnade,
der Herr ist mit dir,
du bist gebenedeit unter den Frauen,
und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes.

Hier wird dann die erste Formulierung eingebracht. Das bedeutet bei den Freudenreichen Geheimnissen als erstes:

Jesus, den du, o Jungfrau, vom Heiligen Geist empfangen hast
 

Heilige Maria, Mutter Gottes,
bitte für uns Sünder
jetzt und in der Stunde unseres Todes

Die weiteren Formulierungen bei den Freudenreichen Geheimnissen lauten:

Jesus, den du, o Jungfrau, zu Elisabeth getragen hast.

Jesus, den du, o Jungfrau, geboren hast.

Jesus, den du, o Jungfrau, im Tempel aufgeopfert hast.

Jesus, den du, o Jungfrau, im Tempel wiedergefunden hast.
 

Wie lauten die Formulierungen zu den anderen drei Geheimnissen?

Die Formulierungen zu den weiteren drei Geheimnisse lauten:

  • Lichtreiche Geheimnisse:
    (über das öffentliche Wirken Jesu)
  1. Jesus, der von Johannes getauft worden ist.
  2. Jesus, der sich bei der Hochzeit in Kana offenbart hat.
  3. Jesus, der uns das Reich Gottes verkündet hat.
  4. Jesus, der auf dem Berg verklärt worden ist.
  5. Jesus, der uns die Eucharistie geschenkt hat.

 

  • Schmerzhafte Geheimnisse:
    (über das Leiden und Sterben Jesu)
  1. Jesus, der für uns Blut geschwitzt hat.
  2. Jesus, der für uns gegeißelt worden ist.
  3. Jesus, der für uns mit Dornen gekrönt worden ist.
  4. Jesus, der für uns das schwere Kreuz getragen hat.
  5. Jesus, der für uns gekreuzigt worden ist.
     
  • Glorreiche Geheimnisse:
    (über die Auferstehung und die Himmelfahrt Jesu)
  1. Jesus, der von den Toten auferstanden ist.
  2. Jesus, der in den Himmel aufgefahren ist.
  3. Jesus, der uns den Heiligen Geist gesandt hat.
  4. Jesus, der dich, o Jungfrau, in den Himmel aufgenommen hat.
  5. Jesus, der dich, o Jungfrau, im Himmel gekrönt hat.
     

Am Ende eines Gesätzes steht stets ein „Ehre sei dem Vater“.
 

In welcher Reihenfolge sollen die Geheimnisse gebetet werden?

Der Vatikan schlägt folgende Reihenfolge für die Geheimnisse des Rosenkranzgebetes vor:

Montag: freudenreiche Geheimnisse
Dienstag: schmerzensreiche Geheimnisse
Mittwoch: glorreiche Geheimnisse
Donnerstag: lichtreiche Geheimnisse
Freitag: schmerzensreiche Geheimnisse
Samstag: freudenreiche Geheimnisse
Sonntag: glorreiche Geheimnisse


Was ist ein Psalter?

Unter einem Psalter versteht man das Beten aller 20 Geheimnisse hintereinander, also am Stück. Wird der gesamte Psalter gebetet, dann entfallen die Einführungsgebete und nach dem Beenden des einen Rosenkranzes wird direkt mit dem „Vater unser“ und den nächsten fünf Geheimnissen begonnen.

 

Schlussbetrachtung: Was bedeutet für gläubige Christen das Rosenkranzgebet?

Das Beten des Rosenkranzes mit seinen Betrachtungen des Lebens, Leidens und Sterbens sowie der Auferstehung und Glorifizierung Jesu bildet in unserem meist hektischen Alltag eine Insel der Ruhe und der Einkehr. Mit den liebevollen Augen Marias betrachten wir dabei nicht nur das Leben Jesu und das des dreieinigen Gottes. Die vertrauten Worte, die als eine Art leise Hintergrundmusik das eigene Leben untermalen, lassen uns gleichermaßen Abstand zu den Banalitäten des Alltags gewinnen wie Einsicht in das, was unser Leben ausmacht, was uns stärkt, tröstet und uns zu christlicher Mitmenschlichkeit befähigt.

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